Bildungsbereich Kreativität:
Unser Kita-Kopf plaudert aus dem Nähkästchen

20_kw36_lp_interview_kevin_t12.jpg
Toni Grünschnabel: Hey Kevin, du Kita-Kopf! Was hast du als pädagogische Fachkraft denn mit Kreativität am Hut?
 
Kevin: Mehr als du denkst! Viele meinen ja, wir basteln nur, damit am Ende des Tages etwas an den Fensterscheiben klebt. Klar, ein gewisses Maß an Kreativität in die Bastel-Richtung sollte jeder von uns mitbringen. Aber Kreativität als Bildungsbereich ist noch einmal etwas ganz anderes. Man muss in der Lage sein, auf die Kinder und die jeweilige Situation einzugehen. Das muss man lernen.
 

 
Toni Grünschnabel: Häää? Was hat Kreativität denn mit Bildung zu tun?
 
Kevin: Wenn ein Kind nicht weiß, was „nass“ bedeutet, dann wird es auch nicht auf die Idee kommen, jemandem Gummistiefel oder eine Latzhose anzuziehen, wenn es die Person im Regen malt. Hier lässt sich Kreativität sehr gut spielerisch mit Erziehung und Bildungverbinden: Wir machen etwas, um es zu begreifen. Wir könnten die Kinder also erst einmal mit Wasser oder feuchtem Gras hantieren lassen, damit sie ein Gefühl für Kälte und Feuchtigkeit bekommen. Das ist viel besser, als wenn sie sich das auf Tablet und Co. ansehenwürden. Vor allem das Anfassen verschiedener Stoffe und Materialien trägt viel zur kindlichen Bildung und schlussendlich auch zur Kreativitätsentwicklung bei.
 

 
Toni Grünschnabel: Ich mag Kinder ja total gerne! Die sind klein, knuddelig – und doch sowieso schon total kreativ, oder?
 
Kevin: Jedes Kind ist kreativ. Unterschiede gibt es aber schon. Wie überall! Während für den einen ein hoch gehandelter Picasso nichts weiter ist als Schmiererei, ist es für den anderen ein Meisterwerk. Wo das eine Kind vor Kreativität regelrecht übersprudelt, braucht das andere noch ein bisschen Unterstützung. Aber in beiden Fällen ist es sinnvoll, die kindliche Kreativität mit verschiedenen Mitteln und Angeboten herauszukitzeln und so zu fördern. Manchmal reicht es aus, nur eine Kleinigkeit zu verändern, beispielsweise ein anderes Material zu verwenden oder mal mit der anderen Hand zu malen, und schon öffnet sich für Kinder eine ganz neue Kreativ-Welt.
 

 
Toni Grünschnabel: Wie genau kitzelst du denn die kindliche Kreativität?
 
Kevin: Wenn ich merke, dass ein Kind von sich aus gerade eine kreative Richtung eingeschlagen hat, nutze ich die Chance und lasse ihm völlig freien Lauf. Der Weihnachtsmann muss ja zum Beispiel nicht immer einen roten Kittel tragen. Und es müssen auch keine Blätter sein, die im Herbstbild von den Bäumen fallen. Das liegt alles in der Fantasie der Kinder. Auch wenn es mal ganz abstrakt wird, bremse ich die kindliche Kreativität nicht aus. Das Kind soll sich ja weiter mit Spaß und Lust austoben wollen. Mein Tipp: Als Erwachsener Begeisterung zeigen, den Kindern viel zutrauen und erlauben, dass sie etwas Verrücktes machen.
Toni Grünschnabel: Ich kann ja fliegen. Kann das die Inspiration auch? Oder wie kommt die zu dir?
 
Kevin: Ganz ehrlich? Meine beste Inspiration sind die Kinder! In meiner Gruppe gibt es einen Jungen, der ist Äste-Sammler aus Leidenschaft. Beim letzten Spaziergang habe ich das als Anstoß genommen, um im Anschluss gemeinsam mit den anderen Kindern aus den gesammelten Stöcken etwas zu basteln. Die Natur ist immer ein toller Ideengeber. Wichtig ist, offen für Neues zu bleiben und auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen.Nur so trennt man sich von seiner eigenen Schere im Kopf, die manchmal den Kreativitätsfaden kappt.Damit schneidet man sowieso besser Papier! Und was mich natürlich immer inspiriert: ein Blick in den neuen Kreativ-Katalog.
 

 
Toni Grünschnabel: Deine Kreativ-Profi-Kollegen meinen ja: Kreativität = Basteln PLUS. Gilt das auch für dich als pädagogische Fachkraft?
 
Kevin: Das gilt vor allem für uns pädagogische Fachkräfte! Basteln und Kreativität gehören ganz eng zusammen. Für mich persönlich steckt darin aber noch mehr: Kreativität = Basteln PLUS Pädagogik.Denn hinter einer gebastelten Laterne oder Geburtstagskarte steht viel mehr: die Auswahl und das Verständnis von Farben und Materialien, die Idee für eine konkrete Gestaltung, der Lernerfolg, wennetwas ausprobiert wurde und es geklappt hat – oder eben auch nicht. Werkreativ ist, beschäftigt sichnicht nur mit seinem Umfeld im Großen und Kleinen, sondern auch mit sich selbst. Dabei lernt man sehr viel. Kreativität stärkt das Selbstempfinden, erweitert die Weltanschauung und öffnet den Geist.
 

 
Toni Grünschnabel: Ein Geist? Wo? Aaaaaaah … danke dir Kevin, ich flattere erst mal weiter!